
HeuteNächste Woche Montag Nacht läuft im ZDF die Mockumentary „Operation Naked“ von Mario Sixtus. In der rund 50 Minuten langen fiktionalen Geschichte geht es um eine technologische Entwicklung in Form einer Datenbrille mit Gesichtserkennungs-Software, die zu einer gesellschaftlichen Diskussion führt. Das ist interessant, weil eine mögliche Entwicklung skizziert wird. Und auch zeigt, dass es schwerfallen könnte, solche Technologien zu verbieten, weil sie sofort als Open Source – Versionen erscheint und von einer Community weiter entwickelt wird.
Mir ist diese Utopie aber trotzdem zu nah am Post-Privacy-Gedanke dran und leider werden Datenschützer mit ihren berechtigten Anliegen in dieser Mockumentary nur als Kriminelle dargestellt, die was zu verbergen haben. Hier wäre die Chance gewesen, die Debatte darum so differenziert darzustellen, wie sie laufen könnte. Aber trotzdem ist der Film sehenswert, alleine für die Nachstellung der medialen Debatte, die mit einer Produktshow durch das halbe ZDF-Abendprogramm einlädt.
Lustig sind auch die vielen Anspielungen auf bekannte Personen aus der Internet-Welt, von der Person, die Gesichter nicht erkennen kann, über den Datenschützer, der stark Manfred Spitzer ähnelt bis hin zu einer an Jens Best angelehnte Figur, die an seine Google Streetview-Befreiungsaktion erinnert (und ihm auch äußerlich sehr ähnlich ist).
Letztendlich bin ich nicht davon überzeugt, dass es so kommen wird, wie Mario Sixtus es in „Operation Naked“ vorzeichnet. Und ich glaube nicht, dass die Welt dann eine bessere wäre. Aber der Film bietet eine gute Möglichkeit, die technologische Entwicklung sowie einen gesellschaftlichen Umgang damit im Spannungsfeld zwischen Transparenz und Privatsphäre zu diskutieren. Und das dürfte auch das Anliegen von Mario Sixtus gewesen sein.
Mario Sixtus beschreibt auf zdf.de seine Motivation:
“Operation Naked” hat zwei Hauptpersonen: die Berliner Start-Up-Gründerin Michelle Spark, die eine Datenbrille mit Gesichtserkennung auf den Markt bringen will – und die Technologie selbst, die diese Brille antreibt. Wir erleben in “Operation Naked” zum einen, wie Michelle Spark als Unternehmerin von der Politik und von den Medien gefeiert und umworben wird – zumindest so lange bis kritische Stimmen laut werden und die Stimmung in der Bevölkerung zu kippen droht. Andererseits sehen wir, wie diese Technologie eine Eigendynamik entwickelt, wie sie damit beginnt, die Gesellschaft zu verändern und sich dabei naturgemäß nicht die Bohne um Politik, Medien oder die Volksmeinung schert – fast so wie ein freigelassener Virus. Ich bin der festen Überzeugung, dass die Digitalisierung für unsere Gesellschaft und für unser aller Leben noch einige Überraschungen mitbringen wird, an die wir jetzt noch gar nicht denken – weil wir sie uns nicht vorstellen können. Und genau so fest bin ich davon überzeugt, dass dieser Prozess keine Pause- oder gar Stopp-Taste besitzt. Es fängt alles gerade erst an. Der Film “Operation Naked” ist ein Produkt dieser Überzeugung.
„Operation Naked“ läuft im Rahmen des Kleinen Fernsehspiels heute nächste Woche Montag Nacht um 23:55 im ZDF. Und findet sich bereits in der Mediathek. Das besondere ist zudem, dass der Film Netzkultur-freundlich unter der Creative COmmons CC-BY-NC-SA-Lizenz steht. Demnächst wird man ihn auch runterladen und remixen können.